Dienstag, 22. Juni 2021

Überschwang und noch ein Abschied

 

Auf diesem,  m. E. letzten Foto mit Rocco flüchtet er grade vor Hitze und Fliegen in´s Haus. Als er letzten Donnerstag seinen täglichen Rinderknochen nicht mehr wollte, wußte ich, daß es Zeit ist, ihn erlösen zu lassen (natürlich hier zuhause im Garten). Ein bißchen mehr zu ihm später, es fühlt sich noch surreal an und ich vermisse ihn sehr...

Die Rosenblüte ist in dieser Saison bisher (noch blühen hier nicht alle) überwältigend üppig.

Im lila Beet haben es alle Rosen-"Restchen" bisher geschafft, zu überleben. Das ist nicht einfach weil es eine heftige Schermaus-Invasion gibt, die alles unterhöhlt hat. 

Piet hat schon mal kreuz und quer ein paar Blütenfotos darin gemacht, leider namenlose. Ein Teil der Rosen in diesem kleinen Beet hat bisher auch nur Bezeichnungen wie "blaues Beet, zweite Reihe" und muß erst wieder neu bestimmt werden. Diese und auch die mit Namen werden demnächst ausführlicher vorgestellt. Hier erstmal ein erster, kleiner Eindruck:













Das hier könnte Vineyardsong sein, eine Sorte, die ich als Steckling geschenkt bekam und die nie im Ex-Park war.

Bin noch nicht zum Nachschauen gekommen, es blühen auch noch nicht alle: Bei noch ganz schwachen Exemplaren z. B. entferne ich die Knospenansätze damit sie sich nicht verausgaben.
 
Ein "Kuckuckskind", das im Herbst ein anderes Zuhause sucht, habe ich aber schon entdeckt.



Die Iris, die oben schon mal mit Rocco zu sehen war und auch im lila Beet steht, heißt Sign of Leo und ich bin sehr dankbar für dieses prachtvolle Geschenk.



Diese hier hatte ich in mehreren Exemplaren aus dem Ex-Park evakuiert und liebe sie auch sehr.



Eine gewisse Hassliebe besteht dagegen zu Venusta pendula, vorne an der Linde: Wieder mal hatte ich fest vor, ihr auch zur Blütezeit nicht mehr als 1,5 bis 2 Quadratmeter Grundfläche zuzugestehen und wieder mal lacht sie darüber nur.



Bei soviel Schönheit darf man das.



Etwas besser geklappt hat es mit der räumlichen Begrenzung dieser grade aufblühenden Jenny Duval. Dafür hat sie schon wieder zwei kleine, neue Ausläufer.  


Etwas mehr Wachstum würde ich mir dagegen von dieser Rose wünschen, die leider immer noch unter ihrem sperrigen (und verkaufs-hemmenden) Kreuzungsnamen unterwegs ist: Erinnerung an Brod x Belle Siebrecht.

Zwar blüht auch sie in dieser Saison heller als ich sie vom Ex-Park her in Erinnerung habe (dazu später mehr) , aber immerhin: Sie blüht und hat sich etabliert.



Das gilt u. a. auch für Blossomtime...



...Night Owl...



...Sophie´s Perpetual...



...Duke of Edinburgh...



...Hermosa...



...und diese kleine Blue for You, die als aus dem Ex-Park den Brombeeren entrissenes Fitzelchen hier ankam und sich jetzt am (immer noch kaputten) Teich wieder zu einer richtigen Rose entwickelt. 



Nicht nur die relativ frisch evakuierten Rosen mußten wegen der Schermaus-Unterhöhlungen während der Hitzeperiode regelmäßig wieder eingeschlämmt werden, auch die vielen Kübelpflanzen brauchen tägliche Bewässerung. 

Das kennt wohl jeder Gärtner: In trockenen Sommern nimmt man sich vor, zukünftig weniger Kübel zu bepflanzen und im nächsten Frühling füllt sich durch die Sehnsucht nach Blühendem dann doch wieder ein Gefäß nach dem anderen: Hier mußten ein paar Pflänzchen gerettet werden und dort konnte man dieser oder jener Schönheit nicht widerstehen...



Nicht nur die weiter oben gezeigte Erinnerung an Brod x Belle Siebrecht u. a. blüht m. E. dieses Jahr anders/heller als üblich. Auch Rosen, die nicht frisch gepflanzt wurden, wie z. B. Mercedes (auf diesem Bild), die hier schon ca. vier Jahre steht, scheinen im Vergleich zu den vorigen Jahren "aufgehellt" zu sein.


...An diesem Blütenbüschel erkennt man es m. E. ganz gut.



Ein weiteres Beispiel ist (der im Frühling stark gestutzte) Frédéric II de Prusse, der bestimmt schon zehn Jahre an seinem Platz steht und diesen Sommer erstmals mehr rosa als violett wirkt.



Dasselbe gilt für Rose de Resht, eine ebenfalls schon ältere Pflanze,...



...den wieder vom Kletter- auf Strauchrosen-Format zurechtgestutzten Othello...



...und eine ältere Indigo-Pflanze.



Tess of the d´Urbervilles kommt mir im zweiten Standjahr ebenfalls heller vor als sie es in ihrem ersten war. 

Zum Glück gibt es aber auch genug Pflanzen, die in gewohnter Farbe blühen...


 ...wi z. B. Ziest,...


...Ombrée parfaite...



Schneekoppe...



...und verschiedene Thalictrum/Wiesenrauten u. a....





Manche Pflanzen variieren ihre Farbe auch stark durch die Sonneneinstrahlung...



Meine aktuelle Lieblings-Iris z. B. sieht mittags und mit Sonne so aus...



...und abends ohne direkte Sonne so. - Garantiert ohne Bildbearbeitung und (an verschiedenen Pflanzstellen) mit Rhizomen von ein und derselben (Geschenk-)Pflanze. 

Wenn wir schon bei den letzten Bart-Irisblüten der Saison sind (zwei, drei Stiele blühen her noch) muß erstens vor dem Suchtpotential dieser Pflanzen gewarnt werden (die meisten sind nicht nur traumhaft schön sondern duften auch) und zweitens ein besonders sucht-verstärkendes Exemplar vorgestellt:



...Silverado, ein Ausbund an Schönheit und Vitalität. - Nicht nur die letztes Frühjahr frisch verpflanzten Rhizome haben gleich im ersten Standjahr geblüht (bei Bart-Iris eher nicht die Norm), sogar ein erst in diesem Jahr kurz vor der Blüte abgetrenntes treibt grade einen Blütentrieb.



Zu den besonders außergewöhnlichen Pflanzen gehört auch die "falsche Jeanne d´Arc", eine echte Moschata, gefunden in den USA. Bei ihr duften nicht nur die Blüten nach Weihrauch sondern auch das Laub. 



In ihrer Nähe, ebenfalls an der Ostwand, steht wieder (nicht nur ein) Souvenir du Docteur Jamain...



...Bei dieser Sorte geht es nicht so sehr um den Schutz vor tiefen Temperaturen und Wintersonne sondern um den der wunderbaren Blütenfarbe vor zu schnellem Vergehen in starker Sonnenstrahlung. 



Zu den ersten, aufblühenden Clematis gehört immer The President (hier an und mit Jacques Cartier), eine meiner Lieblingssorten.
 


Diese robuste und stark duftende Portland-Sorte ist ein gutes Beispiel dafür, daß jede Rose klettern kann, ...



...wenn man ihr eine entsprechende Stütze zur Verfügung stellt.



Weichtriebigere Sorten, wie z. B. Stanwell Perpetual, eignen sich zum Klettern natürlich noch besser als solche mit relativ steifen Trieben, wie Portland-Rosen sie besitzen. 

Wie hoch dieses Stanwell-Exemplar bereits in die Konifere gewachsen ist, kann man abschätzen, wenn man die etwa 1,3 m hohen Spitzen des Staketenzauns als Maßstab verwendet. 



Ein wesentlich jüngeres Exemplar von Stanwell Perpetual (nochmal Dank an Corinna, nicht nur für dieses "Mickerteil") wächst an diesem Rosenbogen und gibt den Nestlingen im Vogelhaus schon gute Deckung.



Die Honorine de Brabant daneben würde und könnte auch klettern, hat als Obergrenze aber leider nur eine Eisenstange, die ich nicht tiefer in den Boden bekomme, und wird daher regelmäßig auf Strauchformat zurückgeschnitten. 
Dahinter lugt ein Duc de Cambridge hervor, der, wie die Honorine, ebenfalls von Corinna stammt,...



...im Gegensatz zur Nachbarrose aber die Gelegenheit hat (und nutzt), in den Apfelbaum zu klettern.



Auf der anderen Seite der Stanwell Perpetual-Pflanze am Bogen steht ein ebenfalls jüngeres Exemplar von Geoff Hamilton...



Diese Sorte hatte ich nach dem Umzug der Altpflanze in den Ex-Park so vermißt, daß ich beim Rosenhof Schultheis ein neues Exemplar bestellt hatte, das sich erwartungsgemäß grandios entwickelte. 

Es gibt nicht viele öfterblühende, gefüllte Rosensorten, die an den Überschwang der "einmal-", bzw. sommerblühenden Historischen heranreichen. Diese gehört auf jeden Fall dazu. Und einen feinen Duft hat sie auch.



Während die erste Blüte von Geoff Hamilton (rechts) langsam abklingt, fängt auf der gegenüberliegenden Seite die von Spirit of Freedom grade an. 

Letztere hat es etwas schwerer denn ihr Standplatz vor der dicken Lonicera ist bedrängter und schattiger. Sie versucht deshalb, der Konkurrenz durch verstärktes Höhenwachstum aus dem Weg zu gehen. - Könnte klappen. Nicht zuletzt weil sie ja noch einen zweiten Bogen zum Ausweichen zur Verfügung hat.

Nach einem Teil der hellen Rosen jetzt mal ein paar für Purpurhexe:


River´s George IV, der sich an seinem neuen Platz sehr gut macht... 



... und toll duftet...



- Was auch für Prince Charles gilt.

Dann natürlich der unvergleichliche Deuil de Paul Fontaine...



...der allerdings nicht evakuiert werden mußte sondern von Anfang an hier gepflanzt war (ich hoffe, dem Ex-Park-Exemplar geht es auch gut).
 


Ein Ganzkörper-Foto für diejenigen, die Deuil de Paul Fontaine für eine kränkliche oder mickrige Sorte halten....


...und noch ein morgendliches mit mehr Schatten, der Blütenfarbe und -textur besser bekommt. 



Bißchen was blau Blühendes statt nur blau Lackiertes, Galvanisiertes, Glasiertes, Lasiertes, etc sollte es in einem Blauen Garten aber auch geben...










Dieses Geranium befindet sich auf der Büroseite, wo auch das neue "Apricot-Beet"  ("buntes Beet" wäre wohl passender) ist. 

Im neuen Mini-"Apricot"-Beet wohnen u. a. jetzt diese exilierten Verbascum-Pflanzen (hieß die Sorte evtl. Terracotta?):



Die Rosen darin sind überwiegend den Brombeeren entrissene, so grade mit dem Leben davon Gekommene aus dem Ex-Park. Daher sind ihre ersten Blüten (sofern sie schon welche haben) nicht als sorten-repräsentativ sondern als schieres Zeichen von Vitalität zu betrachten...



...So wie z. B. diese Erstlingsblüte von (hoffentlich! - sie ist noch nicht verifiziert) Sommerpoesie.



Am vorderen Beetrand stehen zwei, drei Tee Rosen, die auch erst wieder zu Kräften kommen müssen. Bei dieser hier war auf dem Schild nur noch "Frau K ..." zu entziffern (Frau Karl Druschki ist es nicht).



Bei der hier hege ich die leise Hoffnung, daß es sich evtl. um Mme Antoine Mari handeln könnte. Abwarten...

An der Wand daneben wächst u. a. eine wurzelechte New Dawn, die jahrelang bei Nachbarn "ausgelagert" war, zusammen mit einer weiteren The President-Clematis (davon kann man nicht genug haben).
    

                   



Am Efeu-Zaun gegenüber blüht weiterhin White Gold...



...und ist seit dem letzten Blog-Eintrag wieder ein Stück gewachsen.



In dieser Ecke stehen auch einige apricot-farbene Austins wie Sweet Juliet. M. E. die Sorte mit dem intensivsten (überwiegend Zitrus-)Früchte-Duft. Kein Exilant sondern eine Neuanschaffung von vor zwei, drei Jahren. 

Hinter dem (exilierten) Törchen sieht es dann so aus:


Hier stehen viele sommerblühende Sorten, hauptsächlich von Jürgen Weihrauch, die zu groß für diesen Garten sind aber in meiner Obhut bleiben sollen. Dazu noch nicht identifizierte Raritäten und seltene, öfterblühende Weihrauch-Sorten, die nicht in´s "blaue" Farbschema passen. 

Das neue Tor vorne ist "Holz-Design by Daniel Sander" (Kontaktdaten auf Anfrage) und wurde im Dorf schon kontrovers diskutiert. Uns gefällt es sehr gut und es ist ein Unikat aus beständigem (Hasel-?) Holz.



Weder selten, noch un-identifiziert, aber ich *mußte" sie trotzdem behalten/mitnehmen: Sutter´s Gold. Hoffentlich hält sie sich in einem Kübel so tapfer wie die letzten Jahre im Ex-Park unter Gras, Winden und Brombeeren. 

Selten (m. W. nur noch bei Martin Weingart bestellbar) aber noch nicht verifiziert, wäre alleine schon diese Sorte ein Grund für die Anlage eines gelben Beets. Nur fehlt dafür leider der Platz. - Ich hoffe, der Züchter kann bald einen Blick auf diese und andere Sorten-Fotos werfen, um zu entscheiden, ob er sie bezüglich Sortenechtheit und Fotoqualität freigeben möchte. Hier ist Gruß an Ebingen...







Und noch eine Gesamtansicht...



- Ich hoffe, sie ist es wirklich und Jürgen findet auch die Fotos akzeptabel (nur dann dürfen sie verwendet werden). Die Pflanze jedenfalls besitzt nicht nur eine exquisite Eleganz sondern auch extreme Überlebensfähigkeiten, so wie sie von Gestrüpp überwuchert war. Da fragt man sich nur: Wo liegt dieses Ebingen und womit hat es eine solche Ehrung verdient? - Wäre mal ein Anlaß für eine Recherche...

Noch seltener und ebenfalls ein Wunder an Überlebenskunst, aber leider erst im Abblühen der Erstblüte erwischt: Goldene Heimat (auch noch nicht verifiziert)...


Am Ansatz der Blütenblätter ist noch ein goldener Schimmer zu erahnen. Ab morgen gehe ich auch bei Regen jeden Tag nach weiteren Blüten schauen...



Eine unbekannte, apricot-farbene Exilantin. Eventuell von Myroses?



Im Gelb-Bereich der Kübel-Plantage wartet bestimmt noch die eine oder andere Überraschung.



Unten rechts erkennt man die Zinkwanne, in die das Wasser per Schlauch geleitet wird um es dann, erwärmt, per Gießkanne an die Kübelpflanzen zu verteilen. 

Ich muß reuevoll eingestehen, daß ich meiner Obhuts-Verpflichtung nicht immer gefolgt bin. Das Winterlager hat gut funktioniert aber in der langen Nässeperiode im Frühling sind einige Kübel, Eimer und Container abgesoffen und andere durchgetrocknet: Man denkt dann schnell "es regnet ja schon wieder, dann brauch ich nicht gießen" und kümmert sich tagelang um anderes :-/

Diese erneue (!) Vernachlässigung haben zwar alle überlebt (auch wenn sich die eine oder andere noch schwer tut). Mit aufmerksamerer Pflege könnten sie aber in einem wesentlich besseren Zustand sein.

Umso erstaunlicher ist, daß einige  trotzdem blühen...


Z. B. Mme Charly Smits, eine Fundrose aus den USA. Sie hat den größten Bottich aber der steht unter dem Flieder, wo wenig Regenwasser ankam, und war komplett durchgetrocknet. Die Pflanze war so strohig, daß ich sie schon komplett runterschneiden wollte. Ein echtes Wunder, daß sie einige Knospen nicht nur gehalten sondern sogar geöffnet hat. 



Zu den trocken-gefallenen Rosen gehörte auch dieser öfterblühende Bourbon-Sämling von Jürgen Weihrauch. Er hat sich ebenfalls sehr gut regeneriert.

Bei den Ausgepflanzten im kleinen Beet vor dem Staketen-Trennzaun gibt es auch schon ein paar Blüten:


Henryke (auch noch nicht verifiziert)...



und Radio Times. Weitere folgen bald.

Am vorderen Teil der Hauswand blüht schon James Galway...






Zur Straße trennt das, was mal als Auto-Stellfläche geplant war und jetzt Dutzenden von Rosen Asyl gewährt, das große, alte Rosenpark-Tor ab.

Davor tut der Blühstreifen, was er soll...


Hoffentlich sind die Müllmänner weiterhin mutig genug, unsere Tonnen zu leeren: Das Gesumme wird jeden Tag lauter. Dabei fängt die Natternkopf-Plantage grade erst mit der Blüte an...




Auch auf der anderen Hausseite (hier mit Cardinal de Richelieu im Hintergrund) ist das Gesumme jetzt schon ohrenbetäubend obwohl viele weitere Blühpflanzen erst in den Startlöchern stehen. 



Die Vorgarten-Stanwells sind inzwischen (das Foto ist ca. zwei Wochen alt) mit dem ersten Blütenschwung der Saison nahezu durch und bekommen demnächst einen Sommer-Formschnitt, damit sie nicht weiter auseinander fallen. 
Dann haben auch die kleinen Rosen im Vordergrund wieder mehr Licht. 



Auf der anderen Seite der Haustür sind viele rote Rosen neu gepflanzt, von denen die ersten schon blühen...


Gloire des Rosomanes z. B. kämpft sich neben der Haustür hinter (der im Winter dafür extra auf Stock gesetzten) Schnee-Eule hervor. Die Blüten sind diesmal auch heller als üblich, halten aber Dauersonne und Stauhitze erwartungsgemäß stand. 



Eine (von mehreren) Sally Miller-Pflanzen (mit ebenfalls ungewohnt heller Blüte) läßt sich von den Teppich-Glockenblumen nicht beirren: Wer die Ex-Park-Brombeeren überlebt hat ist hart im Nehmen...

In dieser Vorgarten-Reihe stehen aber nicht nur Rote, sondern u. a. auch dieser reinweiße Sämling aus dem Roten Beet des Ex-Parks. Letzten September ganz an der Ecke beim Brombeeren-Roden entdeckt, hielt ich ihn erst für ein Kind von Purezza, die schräg gegenüber in der Ostreihe wuchs. Wahrscheinlicher ist aber eine Multiflora-Abstammung, worauf auch die bewimperten Nebenblättchen verweisen...



Jedenfalls ist er bei den Kahlfrösten nicht zurückgefroren, sehr wüchsig, öfterblühend und duftet sogar. Demnächst gibt es hoffentlich ein besseres Foto und eigentlich verdiente er auch einen Namen.

Weiter geht´s erstmal mit ein paar Rittersporn-Impressionen...






...und weiteren Rosen...



Diese alte Frau Karl Druschki steht bestimmt schon zwanzig Jahre an ihrem Platz vor dem Ostzaun. An diesem exponierten Standort ist sie noch nie komplett zurückgefroren, auch nicht in den Jahren ohne Pflege und Winterschutz, während im Ex-Park auch angehäufelte Exemplare an geschützten Standorten in kalten Wintern erfroren sind. Sie bleibt also weiterhin, wo sie ist.

Schräg dahinter wächst seit einigen Jahren ein wurzelechter Ausläufer von L´Évêque, der ein Mitbringsel aus der Schweiz war und inzwischen selbst Ausläufer treibt. Dieses Jahr blüht auch er etwas heller als sonst...



Bei den Roten beobachte ich dagegen keine oder kaum Farbveränderungen. So dunkel wie immer blüht z. B. Katie´s Rose...


Und sogar an nahezu vollschattigen Standorten bildet sie vergleichsweise viele Blüten und verschönert damit eine Pflanz- und Gerümpelecke. Sie ist so robust, daß man ihr nicht mal die komplette Schermaus-Untertunnelung anmerkt. Nur schade, daß sie nicht wesentlich höher klettern kann/darf, als die Eisenstange hoch ist...






Mit relativ viel Schatten muß auch Mike´s Oldfashioned Pink zurechtkommen. Eine wunderschöne, öfterblühende Strauchrose, die schon zur Erinnerung an den großen Rosensammler Mike Lowe wieder einen Platz im Garten bekommen mußte.

Volle Sonne genießt dagegen ein Teil der rosa Fraktion im vorderen Bereich dieser Schatten- (oder auch Wäsche-)Terrasse...


René d´Anjou...



und seine Nachbarin "Mistress Ordinaire"...



...von der ich immer noch hoffe, irgendwann den richtigen Namen zu erfahren. So eine wüchsige und intensiv duftende TH müßte doch mal relativ verbreitet gewesen sein. 

Ein Stück versetzt dahinter wächst ein mächtiges Exemplar von Petit Papillon, das grade mit der Blüte beginnt...



In der vorderen Reihe begleitet von kleineren rot und violett-rosa bühenden Rosen...


Wie z. B. Minerva...



...einer duftenden Unbekannten (wahrscheinlich auch von Myroses) aus dem füheren Pinkrot2-Beet im Ex-Park...



...und der erst vor zwei Jahren gepflanzten TH Vino u. a.



Ein Teil des rosaroten Gewusels zusammen auf einem Bild. 



Schräg gegenüber davon, auf Odins Grab, wirken die Knospen von Perle d´Amour in dieser Saison leicht grünlich überhaucht. Die ersten offenen Blüten (noch nicht fotografiert) sind aber so transparent muschel- oder "Engelsblut"-rosa wie immer.



Gesamt-Bild der robusten Pflanze mit etwas Abstand. Spätfrost-Schäden gab es bei dieser reich- und öfterblühenden Sorte keine. 



Im hellen Beet ist eine stark duftende Rose aufgeblüht, auf deren Schild eventuell "Rosenmärchen" zu lesen ist (schwer zu entziffern). Ebenfalls noch nicht verifiziert...



...Das Habitus-Foto ist genauso schlecht wie das der Einzelblüte, könnte aber vielleicht/hoffentlich zur Identifizierung/Verifizierung beitragen.



Im hellen Beet schon gut eingelebt hat sich auch Glamis Castle. - Willkommen zurück, alter Knabe!



Auf dem Kompost-Hügelchen hat sich Geza etabliert, eine öfterblühende Bourbon-Züchtung von Jürgen Weihrauch mit elfenhaft verspielten Blüten wildhafter Anmut...



...die für Insekten sehr interessant sind. Entfernt man bei der relativ frostharten Dauerblüherin die Verblühten nicht, bildet sie an den betreffenden Trieben auch schnell Hagebutten. Im Handel ist diese Sorte leider nicht zu finden. 



Vor diesem Hügelchen steht unter anderem eine weitere (nicht gerettete sondern bestellte) Blue for You, die langsam an Höhe gewinnt. 

Etwas erhöht, rechts dahinter, blüht grade Schneekoppe auf. Diese Pflanze wächst immer noch in einem Drahtkorb und verliert deshalb immer wieder Neutriebe durch Einschnürungen. Das ist der Hauptgrund für mich, diese Art des Wühl-/Schermaus-Schutzes nicht mehr zu praktizieren. 



Andererseits führen Schermaus-Untertunnelung und teilweise auch -Fraß natürlich ebenfalls zu Schäden an ungeschützten Rosen.
 
Climbing Souvenir de la Malmaison z. B. hat dadurch schon zwei, drei vitale, jüngere Triebe verloren. Im Frühling hatte ich sie, zugunsten der neugepflanzten Rosen am hinteren Terrassen-Bereich, schon stark zurückgeschnitten und dabei die meisten Alttriebe entfernt. Daher wirkt sie jetzt insgesamt sehr mager. Die Blütenfarbe ist auch anders als sonst: Wie man sieht, wirken/wirkten sie im Aufblühen ungewohnt apricot-farben im ersten Schwung.

Fallen sind keine Option: Bei früheren Versuchen sind, wenn überhaupt welche, leider nur die falschen Tiere rein gegangen. Deshalb möchte ich keinen mehr wagen. 
Vergrämung funktioniert immer nur kurzfristig (am längsten wirken Mottenkugeln, sind aber schwer zu bekommen), wird aber trotzdem weiter angewandt: Alles, was stinkt, wird in die Gänge und Löcher gestopft. Alleine schon vom Bedarf an Auffüllmaterial her könnte ich die Katzenklo-Inhalte täglich komplett erneuern. - Bentonit ist eh ein hervorragendes Mittel zur Verbesserung der Wasserhalte-Fähigkeit. 

Die Kater sind nicht (mehr) so jagd-ambitioniert (was ich in Bezug auf die vielen Gartenvögel sehr schätze). Die Katze würde die meisten (auch Scher-) Mäuse wegfangen, wird aber tagsüber von den Katern weggemobbt (über nacht müssen/sollten alle Katzen sicherheitshalber im Haus bleiben) und verbringt ihre aushäusigen Nächte mit unkastrierten Verehrern (wird immer wieder schein-rollig) statt jagdlichen Aktivitäten. 


Man sieht hier, wie vorsichtig und ängstlich Weißgesicht (immer noch ihr provisorischer "Kindername", als sie vorletztes Jahr endlich einen richtigen bekommen sollte, blieb sie acht Wochen am Stück weg, daher bleibt es dabei) sich im Garten bewegt. Immer lauert irgendwo mindestens einer der Kater, um sie zu vertreiben. 

Die wichtigste Schadens-Prophylaxe ist also nach wie vor in erster Linie Aufmerksamkeit: Entdeckt man eine Unterhöhlung oder sogar Wurzelfraß früh genug, sind die betroffenen Pflanzen meist noch zu retten (schon abgefressene Bodentriebe notfalls als Stecklinge).
In zweiter Linie, nach der Entdeckung von neuen Löchern und Gängen, durch wiederholtes Fluten mit dem Wasserschlauch und anschließendes Zustopfen. 
Den Apfelbaum z. B. konnte ich vor vielen Jahren mal retten, weil ich den Wurzelbereich über mehrere Tage unter Wasser gesetzt hatte. Das schätzen auch Schermäuse nicht. 

Wenden wir uns wieder Angenehmerem zu...



Am hinteren Ende des "Fisch-Hügel(chen)s" (dort riecht es öfter mal nach totem Fisch, daher der Name) hat letzte Woche noch Mme Zoëtmans üppig geblüht (oben rechts) im Bild. 


So sehen ihre Blüten aus der Nähe aus (im Herbst gibt es einen Ausläufer dieser sommerblühenden Sorte zu adoptieren).
 


Die letztes Jahr neu dazu gekommenen Rosen, wie z. B. die exilierte Souvenir de Mme Auguste Charles hier im Bild, sind gut angewachsen.

 

Ganz links Monsieur Cordeau, an der Eisenstange erste Blüten einer Lagerfeld-Pflanze, die roten sind von einer weiteren, relativ jungen Munstead Wood und ganz rechts im Bild öffnet die sommerblühende Moos Rose Félicité Bohain die ersten von vielen Knospen (im Herbst gibt es davon relativ viele Ausläufer). 

Vor dem kleineren, heilen Teich gegenüber davon steht der alte Stanwell Perpetual-Hochstamm... 



...Sein erster Blütenschwung ist vorbei, die nächsten Knospen schon in Arbeit.

Im Teich haben scheinbar doch ein paar wenige, braune Goldfische die Storchen-Attacke überlebt und auch sonst gibt es darin sehr viel Leben.

Einige besondere Rosen möchte ich heute noch vorstellen (weitere im nähsten Blog-Eintrag)...



Diese hier hatte ich schon letztes Frühjahr aus dem großen Bourbon Beet des Ex-Parks evakuiert weil sie so zart war...



...Ein Schild war nicht mehr daran zu finden, das Pflänzchen hat sich im Topf gut gemacht und ich bin mir ziemlich sicher, nur Veredelte, keine Ausläufer mitgenommen zu haben. Trotzdem beschleicht mich jetzt der Verdacht, eventuell wieder eine Great Western in den Garten geholt zu haben (für die bei all ihrer Vorzüge einfach nicht genug Platz vorhanden ist). - Was meint ihr? 



Das hier solle laut dem, was auf dem Schild noch entzifferbar war, die historische Cinderella sein (eine Sorte aus der Mlle Blanche Lafitte-Linie). Im Ex-Park war sie, wie alle Rosen der ersten Reihe des kleinen Bourbon Beets, dauer-unterhöhlt und daher dauer-mickrig (zum Beete-Fluten hatte ich da keine Möglichkeit)...



...Die Blüten sind unter besseren  Bedingungen für eine Sorte dieser Linie jetzt relativ groß, stehen einzeln und halten trotz dauer-sonnigem Standort lange. Das alles widerspricht den Erinnerungen, die ich bezüglich dieser Sorte aus alten Hausgarten-Zeiten habe. - Fällt jemandem was dazu ein?



Eine seltene und besonders schöne, historische Bourbon Rose, die öfter blüht und intensiv duftet: William Jesse, früher auch unter dem Arbeits-/Fundrosen-Namen "California Malton" bekannt und vor einigen Jahren im Rahmen einer Forums-Spenden-/Sammelbstellungs-Aktion bei garten-pur für Lost Beauties/den früheren Rosenpark von Vintage aus den USA erhalten...



...Das dunkle, samtige Purpur dieser Sorte ist leider schwer zu fotografieren (in einm alten Blog-Eintrag über den Ex-Park müßte es noch ein besseres Bild geben), diese Fotos werden ihr nicht gerecht.
 
Ich freue mich, daß "Sonnenschein"/Karin Schade sie für ihre Firma Stauden-und-Rosen m. W. inzwischen neu in´s Programm genommen hat: William Jesse hat eindeutig Lieblingsrosen-Potential. 

Zwischendurch noch ein paar Rittersprn-Impressionen (alle zusammen, die Piet fotografiert hat, würden das Format sprengen)...







Kleiner Tip: Rittersporn braucht keine Kälte zum Keimen (hab schon erfolgreich welche im Haus ausgesät) aber Dunkelheit (Saattöpfe für ca. eine Woche abdecken, im Freiland an schattige Stellen säen).  
Und man kriegt sie nur groß/erhalten, wenn man Schneckenkorn streut. Außer vielleicht in sehr sandigen/trockenen Gärten mit wenig Befall, das entzieht sich meiner Erfahrung.
Ist - leider! - so: "Ohne Korn kein Sporn". 

Weiter mit Rosen...


Martin Frobisher. - Die Sorten aus (inbesondere) dieser Rugosa-Linie vertragen keine Trockenheit. Stehen sie aber in halbwegs frischen Böden, machen sie sonst alles mit: Extreme Minusgrade und auch recht schattige Lagen verursachen ihnen keine Probleme...



...Zum Lohn verwöhnt einen dann z. B. Martin Frobisher mit mehreren Schüben duftender, mittelgroßer Blüten in zartem Marzipan-Rosa während der gesamten Saison. 



Nur im Sommer, dafür aber mit intensiv zitroniger Duftnote, blüht Pink Léda. Diese Pflanze kam als Ausläufer einer Fundrose von einem verstorbenen Freund aus dem nördlichen Mecklenburg-Vorpommern und hat deshalb schon aus Erinnerungsgründen Bleiberecht. Benimmt sich bisher auch brav und hatte erst zwei Ausläufer im Laufe von ca. 15 Jahren (das große Exemplar im Ex-Park war/ist m. E. n. einer davon).

Weil der Platz hier begrenzt ist, wird sie durch mehrmaligen Schnitt über´s Jahr in handlicher Größe gehalten.



Ein älteres (ca. vier- oder fünfjähriges) Exemplar der vier oder fünf Munstead Wood-Pflanzen, die inzwischen hier wohnen. - Zugegeben: Ihre Blüten sind sehr groß und Jungpflanzen müssen in den ersten Jahren gut gestützt werden, um sie tragen zu können. Sonst kann es passieren, daß durch ihr Gewicht bei Nässe oder starken Wind die jeweiligen Triebe ausbrechen...



...Aber Duft und Farbe sind einfach zu verführerisch...



...um ihr dieses kleine Manko vorzuwerfen.

Zwischendurch ein paar Clematis...



Eins von mehreren, von diversen Grabbeltischen geretteten und sehr dankbaren Multiblue-Exemplaren. 
Für einen großen Teil der blauen Clematis im Ex-Park war ich leider einfach nicht schnell genug. Hoffentlich sind sie dann woanders gut angewachsen.



Eine absolute Lieblingssorte ist Durandii. Hier neigt sich eine über den Zaun zur Louise Odier der Nachbarin. Die war mal ein praktisches Geburtstagsgeschenk von mir: Hatte keinen Platz und kann sie so weiter bewundern während die nette Nachbarin bequem dran schnuppern kann. 



Absolut keine Lieblingssorte ist diese Weiße (Miss Bateman?). Hatte (schon vorletztes Jahr) gedacht, eine wunderschön Dunkelblaue (Frau Mikiko?) aus einer verwilderten Ex-Park-Ecke geborgen und transferiert zu haben, aber stattdessen erschien dann dieses Teil (die Dunkelblaue ist wahrscheinlich auch woanders gelandet)...

Letztes Jahr hatte Fee versucht, die Weiße hier auszubuddeln, in ihren Garten passt sie vielleicht besser. Keine Ahnung, was stattdessen (und ob überhaupt) nun bei ihr wächst, die Weiße ist jedenfalls immer noch da. 
So etwa im September könnte man sie m. E. aus der benachbarten Arabella heddern, falls es noch mal jemand versuchen möchte. Hier passt sie jedenfalls nicht hin.



Ganz hervorragend passt dagegen Chewbluemore. Vor allem, wenn die benachbarte Donaunymphe und die gegenüber gepflanzte (beides Ex-Park-Exilierte) "Lavender Pink Parfait" (Fund-Multiflora/-Polyantha aus den USA) ebenfalls aufgeblüht sein werden. 



Er liefert noch keine tollen Bilder, hat den Umzug aber ebenfalls gut überstanden und fängt endlich wieder an zu wachsen (man kann zu verpflanzende Großrosen nie stark genug einkürzen, das mußte u. a. hier in mehreren Etappen nachgeholt werden)...



...Hippolyte. - Bei ihm stimmt sogar bei den ersten Blüten am neuen Platz die Farbe halbwegs.
 


Die meisten historischen Polyanthas haben bei einem engagierten Sammler-Paar Asyl gefunden. Für Jeanne Drivon allerdings mußte schon deshalb hier ein Eckchen freigeräumt werden, weil sie eine Erinnerung an meine erste Sangerhausen-Expedition (damals war es wirklich noch eine) vor fast genau zwanzig Jahren ist...


...Sie war eins der ersten "Beute-Objekte", die von dort mitgekommen sind. Damals noch fehletikettiert (sollte eine ebenfalls seltene Tee Rose sein), konnte ich sie beim zweiten Sangerhausen-Besuch, im Jahr darauf, durch Zufall identifizieren.
Die zarten, silbrigen Blüten der blühfreudigen Sorte sind aber auch ohne Erinnerungswert ein Gartenplätzchen wert und die Ansprüche des robusten Pflänzchens nicht sehr groß: Jeanne Drivon würde z. B. auch in einem ausreichend tiefen Kübel eine gute Figur machen. 

Weitere Rosen, die sich hier inzwischen (größtenteils wieder) gut eingewöhnt haben...



La Rose du Petit Prince (hier mit Insektenbesuch)...



Louise d´Arzens...



...der Sport von Rose du Roi à fleurs pourpres...



...Mme Francois Pittet...



... Mme Doré (inzwischen vom Lamium/Lamiastrum befreit), die manchmal immer noch fälschlicherweise als "Mme Cornélissen" im Handel ist...



...Mme Cornélissen selbst, die mit ihren typisch "bunten" und verwirbelten Blüten eigentlich unverwechselbar ist...



...ihre Schwester (beide sind Sports von Souvenir de la Malmaison) Souvenir de St. Anne´s...



....eine Pflanze der Ursprungssorte der beiden Vorherigen, Souvenir de la Malmaison...



...und Captain Christy u. a.


Zur Abwechslung noch ein par Rittersporn-Impressionen...








...und ein paar aktuell blühende Rosen (oder solche, die bis vor kurzem geblüht haben), die nicht evakuiert werden mußten, sondern schon länger hier wachsen oder extra für diesen Garten bestellt/angeschafft wurden...



...Wie z. B. Vesalius...


...Ilios...



...der falsche "Gribaldo Nicola"...



...(zumindest diese Pflanze von) Burgundy Ice...



...die Fundrose "Königin von Rußland",...



...in die sich hier ein Stiel der Bar-Iris Ride the Storm gemogelt hat...



...The Dark Lady...



...Climbing Iceberg...



Paul´s Lemon Pillar und Munstead Wood...



...Agra (inzwischen chlorose-frei)...



...Gloriosa, die mir eigentlich nichts sagt, wegen extremen Lebenswillens (trotz kompletter Unterhöhlung hat sie einen neuen Basistrieb gebildet) aber wahrscheinlich doch bleiben darf...



...und Climbing Mrs. Herbert Stevens u. a. 

Es geht alles viel zu schnell...Keine Zeit zum wirklichen Wahr-Nehmen, keine Konzentrationsfähigkeit für echte Kommunikation, keine Ruhe zum Abschiednehmen und Trauern, weder um den Park, noch um Rocco...Das Leben besteht aus Funktionieren und Verdrängen. 



Das erste Foto von Rocco hier im Haus. Er hat es immer gehasst, sich fotografieren zu lassen, guckt deshalb auf fast allen Fotos unbehaglich, mißtrauisch oder sogar ängstlich, sofern es überhaupt mal gelungen ist, seinen Blick festzuhalten...

Wenn keine Kamera dazwischen war, konnte man in den seelenvollen Tiefen seines Blicks versinken, Vertrautheit und Verständnis waren grenzenlos.



Eins der wenigen Bilder, auf denen er lacht...



Dieser Moor-Spaziergang mit seinem Freund Finn war in den ersten unbeschwert-schönen Wochen seines Hier-Seins. Das vertrauensvolle Angekommen-Sein hielt leider nur kurz an: Mitte März hatte ich schon den blöden Unfall, dessen dramatische Begleitumstände (er wurde ausgesperrt als der Rettungsdienst kam, hörte mein Geschrei und konnte nicht helfen) ihn ganz sicher traumatisiert haben.



Nachdem ich endlich wieder richtig laufen konnte war die Zeit langer Waldspaziergänge, wie hier in Schönberg, vorbei: Zuviel Arbeit nachzuholen im Park, zuviel Hektik und dadurch zuviel Langeweile für Rocco.

Er hat den Ernst des Parklebens begriffen und angenommen: Hunde- und auch Menschengesellschaft fast nur im Sommer und selbst da nicht jeden Tag, viele Arbeitsstunden für mich, in denen er aufmerksam, aber überwiegend gelangweilt,  in der Nähe blieb. Bei jedem Wetter. Wochenlang keine anderen Erfahrungen, Gerüche, Beobachtungen und Erlebnisse als die eines (für einen Hund) vergleichsweise kleinen und reiz-armen Arreals.

Sehr selten (und noch seltener ohne die Initiative eines befreundeten Hundes) hat er die Gelegenheit genutzt, unerlaubte, kleine Abenteuer in der Umgebung zu suchen.  
Genauso selten waren in den Sommer-Halbjahren unsere kurzen, abendlichen  "schlechtes-Gewissen"-Spaziergänge im Moor oder im Wald. Muße und Unbeschwertheit waren Vergangenheit geworden, ständige Hetze und die Sorgen, wie ich den Park nach dem letzten Unfall wieder hinkriegen könnte, hatten sie verdrängt. 

Wenigstens hatte er bis zu ihrem Wegzug im vorletzten Winter noch eine kleine Freundin aus Rumänien und ihr Frauchen in der Nähe, mit denen er spielen und herumtoben konnte. Den Anruf bei diesem Frauchen schiebe ich vor mir her wie bis eben diese Abschiedsgedanken hier...

Er hat sehr schnell sehr viel gelernt. Autofahren z. B. fand er in den ersten Tagen noch gruselig, war aber innerhalb kürzester Zeit davon begeistert, denn es bedeutete zumindest eine Fahrt zum langweiligen Rosenpark. Auch die war in Zeiten von heftigen Rückenproblemen manchmal wochenlang keine Selbstverständlichkeit und es blieb dann für Rocco nur der noch langweiligere Garten.

Was er nicht mehr lernen konnte und wollte, war, daß man nicht jeden verbellen mußte, wenn man hinter dem Zaun oder im Auto war. Dafür war dieses Melden wohl zu lange sein Lebensinhalt in den drei Jahren am Eingang des ungarischen Tierheims und davor auf einem Bauernhof (er liebte Kühe) seine (Über-)Lebensberechtigung.

Gegenüber den Parkbesuchern war er fast immer freundlich und zeigte ihnen den Weg zu mir wenn ich irgendwo im Gestrüpp steckte.
Das "fast" bezieht sich auf die seltenen Gelegenheiten, bei denen er (meist zu Unrecht) mögliche Attacken auf mich befürchtete. Unterschritt jemand den von ihm festgelegten Sicherheitsabstand, drängte er sich dazwischen und warnte ihn, wenn er nicht zurückwich.
 
Kinder kannte er offensichtlich nicht oder kaum, begegnete ihnen aber mit freundlicher Geduld. Dasselbe galt für andere Hunde und auch Katzen. Allerdings zeigte er den Letztgenannten auch, wo seine Grenzen lagen: Beim Futter endete die Toleranz und er ließ sich auch nicht, wie z. B. Odin früher, von den Katern als Spielzeug benutzen.

Ich könnte - jetzt, wo ich endlich mal alleine bin - noch stundenlang weiterschreiben...Er war ein wirklich GUTER Hund, einer der Allerbesten, mit dem seine Vorgänger sicher von Anfang an sehr zufrieden waren und mit denen er uns jetzt im unsichtbaren, aber immer spürbaren Rudel weiterhin begleitet. 

Wie die anderen ist und bleibt er immer präsent. - Jetzt hoffentlich wieder mit der fröhlichen Unbeschwertheit, die er hier so selten erleben konnte. 



Rocco und der Park im Winter...



Das hier ist der letzte Sämling, den ich im früheren Rosenpark gefunden hatte: Im Herbst entdeckte ich ihn als kaum daumen-langen Winzling am Rand des damaligen Portland Beets und sicherte ihn immer wieder mit großen Steinen (die immer wieder weggenommen wurden) gegen Zertreten. Zum Glück war er klein genug um den Dieben zu entgehen und sobald das Wetter kühl genug zum Verpflanzen war, topfte ich ihn ein und nahm ihn mit...



Am Tag nach dem Tod des letzten Rosenpark-Hundes ging die erste Blüte des letzten Rosenpark-Sämlings auf. Er wird nach ihm benannt und ihm hoffentlich die Ehre machen, die Rocco verdient. 



Das Abschlußbild ist heute ein Blick von der Terrasse, den ich so gerne noch länger zusammen mit Rocco, entspannt neben mir am Fass-Tischchen liegend, geschaut hätte...

Viele Liebe Grüße,
Raphaela

Nous sommes Donbass!
Heimatliebe ist kein Verbrechen. 
Free Julian Assange!